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Arbeit zwischen Lust und Frust

Das Leben, es ist gut!

Anne Philipe schreibt am Ende ihres Buches "Nur einen Seufzer lang": Ich lasse mich von der Strömung forttragen, ohne zu weit voraus oder zu weit in die Tiefe zu blicken. Ich warte auf den Augenblick, in dem ich wieder Kraft finde. Er wird kommen. Ich weiß, dass das Leben mich noch in seinem Bann hat. Ich will mich retten...

Ich habe mich gerettet: Zurück in das Leben!

Was war passiert? Fast drei Jahrzehnte wissenschaftlicher, politischer und pädagogischer Arbeit lagen hinter mir. Erfolge und auch Misserfolge, Freud und auch Leid, und irgendwann hatte ich keine Kraft mehr. Mit großem Idealismus habe ich immer in meinem Beruf gearbeitet. Irgendwann war ich ausgebrannt (burnout), nicht nur, weil ich als Störenfried und Unruhestifter, als sogenanntes schwarzes Schaf, empfunden, bekämpft, eingeschüchtert und bedroht wurde und schließlich nur noch Misstrauen und Verdächtigungen ausgesetzt war.

Nach jahrelanger guter Zusammenarbeit standen eines Tages plötzlich die Kollegen bei mir im Dienstzimmer und sagten: "Von morgen an sind wir gegen Sie. Wir machen Sie fertig und werden alles dransetzen, Sie loszuwerden. Sie haben keine Chance. Wir schaffen das!"

Ich habe so etwas noch nie gehört. Ich war sprachlos. Ich habe es auch nicht geglaubt. Ich habe das alles für einen Scherz gehalten. Es war der letzte Schultag vor den Osterferien und ich dachte, nach den Ferien hat sich sicher wieder alles beruhigt. Ich habe es dann auch fast vergessen. Vielleicht habe ich es einfach nur verdrängt.

Aber nach den Ferien ging alles Schlag auf Schlag: Schikanen durch die Kollegen, Unverschämtheiten und Gemeinheiten, permanente Beobachtungen, systematische Angriffe, feindselige Übergriffe und Rechtsbrüche. Alle gegen Einen! Sogar die Kinder und deren Eltern wurden in diesem Teufelskreis zu Mittätern: Instrumentalisiert durch Diskreditierungen.

Ich hatte wirklich keine Chance!

Ich wurde vom Dienst suspendiert und nach langer Zeit des untätigen Wartens, der Angst, der Unsicherheit und Verzweiflung sogar degradiert.

Ich war am Ende. Ich habe nichts mehr verstanden. Dass es Menschen gibt, die sich zusammenrotten, um einen Anderen derart fertigzumachen, erledigen und lügen. Ich habe es nicht verstanden. Bis heute nicht.

Ich war ganz, ganz unten. Es war nichts mehr wichtig. Ich dachte sogar, auch mein Gott hat mich verlassen.

Ich war ganz allein.

Die Situation war kafkaesk!

Aber ich hatte Glück. Ich habe einen Arzt und Therapeuten gefunden, der mich gerettet hat, der mir geglaubt und mir vertraut hat, und der mir angsam wieder auf die Füße geholfen hat.

Ganz wichtig war die Familie, waren wirkliche Freunde, die Mut und Kraft gaben, die Anteil nahmen und die Probleme verstanden.

Und es waren Einsichten:

Das Ja-Sagen zum Sein, zu dem was ist, ohne wenn und aber.

Das Akzeptieren des eigenen Wesens mit all seinen Fehlern und Schwächen, aber auch seinen Stärken.

Das Erkennen, dass Krankheiten oder Unfälle selten zufällig auftreten, dass sie allzu oft einen lebensgeschichtlichen Hintergrund haben.

Bei der Frage nach dem Warum und Wozu das Finden einer neuen Identität und Individualität.

Das heißt, den Frieden zu schließen mit sich selbst und anderen.

Das heißt aber auch im Sinne Goethes, frei zu werden im Akt der Vernunft, im Akt der Liebe und im Akt der Kunst.

Und so war es die Musik, insbesondere meine Liebe zur Orgel, die immer da und so bedeutungsvoll für mein Inneres war, so als spräche sie direkt zum Inneren und käme aus dem Inneren.

Schließlich war das Schreiben eines Buches, meiner Geschichte, eine Art Katharsis für mich, eine Expedition zur Wahrheit, eine Möglichkeit, das Geschehene zu reflektieren, gedanklich zu verarbeiten, Leid und Schmerz in Kraft zu verwandeln und zu neuem Leben zu gelangen.

Es ist ein langer Weg, dieser Weg zu einem neuen, gelingenden Lebensentwurf. Er dauert Jahre und braucht viel Kraft und Geduld, Mut und Hilfe.

Man muss jedoch diesen neu gefundenen Weg immer weitergehen, darf nicht nachlassen, nicht aufgeben, man muss sich bekennen und muss kämpfen! Mobbing hat für mich alles in Frage gestellt, mein Leben und meine Existenz.

Nach Jahren bin ich aber wieder mittendrin. Ich bin weitergekommen, habe im Sinne Hermann Hesses die nächste Stufe erklommen, bin reifer und optimistischer geworden und weiß heute, Mobbing kann jeden treffen, überall!

Deshalb: Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.

Ich bin hindurch. Die Erde hat mich wieder!

Entstanden im Goethejahr 1999

Dr. Marianne Baun